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Tassilo Vallentin
#51
„Es ist sehr heiß in Teheran“
[Bild: Heiss-in-Teheran.jpg]
[b]Saudi-Arabien macht den Iran für die Explosionen auf zwei Öltankern im Golf von Oman verantwortlich. Die Saudis wollen den Westen in einen militärischen Konflikt mit dem iranischen Mullah-Regime treiben. Die Europäer sind in dem Spiel die Dummen.  [/b]
Der gesamte Orient bewegt sich auf einen Zustand von Anarchie und Chaos hin: der Irak, Syrien, Libyen, Ägypten und Afghanistan, um nur einige Beispiele zu nennen. Der Iran ist noch das stabilste Land. Er wäre eigentlich der ideale Partner des Westens am Persischen Golf. Idealer als die heutigen westlichen Verbündeten, die ultra-reaktionären Öl-Monarchien – Saudi-Arabien, Vereinigte Emirate und Katar –, die Menschenrechte mit Füssen treten und geistige Wiege des IS-Terrors sind. Im Iran herrschte bis vor kurzem auch keine anti-westliche Stimmung. Mit dem Wiener Atomvertrag verpflichteten sich die Iranis sogar, ihr Nuklearprogramm herunterzufahren.
Doch die sunnitischen Saudis heizen einen Krieg gegen Teheran immer stärker an. Sie wollen verhindern, dass der schiitische Iran zur beherrschenden Macht am Persischen Golf wird und über den Irak, Syrien und den Libanon eine durchgehende schiitische Staatenkette von Afghanistan bis zum Mittelmeer errichtet. Zudem wollen die Saudis den Iran als Konkurrenten auf dem globalen Ölmarkt ausschalten. Auch Israels Ministerpräsident Netanjahu fordert seit Jahren einen Militärschlag gegen das Mullah-Regime, um seine wachsende Siedlungspolitik zu sichern. Aber ein israelischer Angriff auf den Iran ohne Unterstützung der USA galt bislang als völlig abwegig. Der CIA und das Pentagon rieten den Israelis von einem Krieg dringend ab. Denn die militärische Stärke des Iran ist erheblich. Während die US-Präsidenten Bush und Obama auf Beschwichtigung setzten, droht Trump via Twitter und kündigt einen Regimewechsel in Teheran an.
Das scheint den Saudis Auftrieb zu geben. Sie machen den Iran für die Explosionen auf zwei Öltankschiffen im Golf von Oman verantwortlich. Saudi-Arabien unternimmt dabei alles, um den Westen in einen militärischen Konflikt mit den Iranis zu treiben. Doch ein Krieg ist weder für Israel noch die USA wünschenswert: Die größten israelischen Küstenstädte – von Haifa bis Tel Aviv – befinden sich in Reichweite iranischer Raketen. Hinzu kommen die engen Verbündeten Teherans im Libanon. Allein die libanesische Hisbollah ist so stark, dass sie 2006 die israelische Armee zurückschlagen konnte. Und ein direkter Angriff der USA auf den Iran im Rahmen eines konventionellen Krieges ist so gut wie ausgeschlossen. Das Land hat 80 Millionen Einwohner und eine riesige Fläche mit extrem schwierigem Terrain samt Felsmassiven. An Panzereinsatz wäre nicht zu denken. Zudem sind die USA im Irak gescheitert und konnten Afghanistan nicht niederwerfen. Die Lust, nunmehr gegen den Iran anzutreten, dürfte bei US-Militärs denkbar gering sein. Trump rudert daher zurück. Auf die Frage, wie der Iran gestoppt werden könne, sagt er nun: „Wir werden sehen.“
Es wird bei nicht-militärischen US-Sanktionen gegen den Iran bleiben. Seit 1.Mai  müssen alle Staaten mit Strafen rechnen, die iranisches Öl importieren. Den Iran trifft das kaum: Russland, Indien und China haben bereits angekündigt, weiter iranisches Öl zu kaufen. Die Europäer sind die Dummen. Sie halten sich trotz totaler Öl-Abhängigkeit an die Sanktionen der USA. Wie nannte Peter Scholl-Latour Europas Außenpolitik: „Feigheit vor dem Freund.“
Artikel Krone Bunt
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