Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Leitl zeichnet sich wieder einmal aus.
#1
In einem Interview mit derm oberösterreichischen VOLKSBLATT hat unser aller geschätzter WKO-Chef Christoph Leitl wieder eine seiner unsäglichen Aussagen getätigt:

"Jeder der arbeiten will, findet auch Arbeit".

"...zwar nicht immer in seinem Traumberuf und auch nicht vor der Haustür....."

Dieser Mann ist so ziemlich das beste Beispiel dafür, wie man mit einem NIX an Kenntnissen sich jahrelang an der Spitze einer unserer Institutionen halten kann, noch dazu einer, die mit Steuergeld finanziert wird - und zum Drüberstreuen auch noch darüber jammert, dass die Lohnnebenkosten so hoch sind, aus denen er ja auch fürstlich bezahlt wird.

L. hat von der Lebensrealität des Arbeitslosenheeres in diesem Land weniger als keine Ahnung - und schafft es immer wieder, mit seinen Aussagen wie die Faust genau ins Auge der Betroffenen zu zielen.

Im Standard-Forum überschlagen sich übrigens die Kommentare zu diesen Aussagen - es sind schon mehr als 1300 Postings dazu eingegangen, die oft in ihrer Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen (und bei etlichen davon es mich schier wundert, dass sie es durch die Zensur geschafft haben) - und ca. 99,9 % lehnen die Aussagen ab.

Ich habe daraufhin dem guten Herrn ein Mail geschrieben - hier der Wortlaut:


Sehr geehrter Herr Leitl!

Mit Faszination habe ich Ihre Aussagen gelesen, die Sie anlässlich eines Interviews mit dem “Volksblatt” getroffen haben.

Sie haben darin die Behauptung aufgestellt, dass “jeder, der eine Arbeit will, diese auch findet.”

Nun, ich darf Ihnen mitteilen, dass Sie mit ziemlicher Sicherheit von der Lebensrealität Arbeitssuchender (u.a. auch der eines Wieners, dem der Standard aktuell ebenso einen Artikel gewidmet hat, und zwar unter dem Titel: “Die Wohnung wird zum Gefängnis” – ich würde Ihnen die Lektüre dieses Artikels dringend empfehlen!) weniger als keine Ahnung haben.

Ich möchte Ihnen ein Beispiel in meiner unmittelbarer Umgebung schildern:

Eine junge Dame, 26, die zwei Lehrausbildungen gemacht hat – eine zur Zahntechnikerin und die zweite als PKA – pharmazeutisch-kaufmännische Assistentin. Sie hat sich dann beruflich in eine dritte Richtung orientiert und im vorvergangenen Winter einen Kurs zur “Medizingerätevertreterin” absolviert.
Die entsprechende Prüfung hat sie mit Bravour abgelegt.

Und seitdem – also seit weit mehr als einem Jahr - sucht die junge Dame einen Job, leider jedoch bisher vergeblich. Es gibt zwar immer wieder einschlägige Jobangebote, bei denen sie sich auch fleißig bewirbt (sie hat im übrigen auch ein Coaching für das richtige Bewerben durchgemacht), aber sie wird nicht genommen.
- Aber keine Sorge, die junge Dame, die eine sehr fleißige ist, arbeitet trotzdem, halt zwischenzeitlich in der Gastronomie, was natürlich aufgrund ihrer Qualifikation ein Hohn ist und auch nicht ihren Intentionen entspricht. Aber sie muss ja schließlich ihr Leben finanzieren.

Ein angebotener Job hatte übrigens als Wunschkriterien ENTWEDER  eine Ausbildung in exakt einem ihrer beiden Lehrberufe und diese von ihr abgelegte zusätzliche Prüfung, sie hätte das Profil also übererfüllt, sie hat diesen Job aber trotzdem nicht bekommen. Und zwar mit dem Argument, dass ihr die Berufserfahrung fehle.....
Und dergleichen an Ausreden hört sie leider immer wieder – zu jung, zu wenig Erfahrung, usw. – denn an ihrer Ausbildung kann es ja nicht liegen.
Tja, nur wenn man nirgendwo genommen wird, kann man auch keine Erfahrung sammeln....

Seit Herbst letzten Jahres ist sie übrigens dabei, die Studienberechtigungsprüfung für die “Pharmavertreterprüfung” abzulegen – da gibt übrigens einen weiteren Umstand, der junge Menschen in ihrem Weiterkommen behindert:
Die beiden Berufe des Medizingerätevertreters und des Pharmavertreters besuchen zur Ausbildung beide exakt den selben Kurs – nur: die Prüfung für die Sparte “Pharma” darf nur ein Schüler mit Matura ablegen, alle anderen nicht. Selbst wenn man im medizinischen Bereich eine einschlägige Vor-Ausbildung hat, wie unsere junge Dame, nämlich in einer Apotheke. Die anderen, die zwar in dem vorbereitenden Kurs exakt die gleichen Kenntnisse erwerben, verlieren dann ein weiteres Jahr, weil sie nämlich zuerst die Studienberechtigung ablegen müssen, um Pharmavertreter werden zu können.

Vielleicht sollten Sie sich einmal in Ihrer Eigenschaft als Präsident der Wirtschaftskammer dafür einsetzen, dass dieser Unsinn endlich abgestellt wird? Ständig nur den Arbeitsuchenden vorzuwerfen, sie wären nicht flexibel, nicht mobil oder würden unbedingt in einem bestimmten Beruf arbeiten wollen und eventuell auch noch davon leben wollen, ist halt auf die Dauer doch ein bissl dürftig....
Abgesehen davon – was habe ich von der immer wieder beschworenen guten Ausbildung, wenn ich dann letztendlich doch JEDEN Job annehmen soll, der mir angeboten wird? Das ist doch völlig absurd....

Und – bevor Sie möglicherweise vorschlagen, die junge Dame solle doch in ein anderes Bundesland ziehen, weil es irgendwo im Westen Österreichs Jobs in ihrer Branche gibt (Sie haben ja auch in unserem damaligen kleinen Intermezzo in der Kronen Zeitung den jungen Leuten Unflexibilität vorgeworfen) – die junge Dame ist gerade dabei, sich hier in Wien ein Leben aufzubauen, sie hat kürzlich ein kleines Reihenhaus übernommen und ihr gesamtes Umfeld hier. Sie kann also jetzt nicht ihre Sachen packen und gegebenenfalls vielleicht in die Steiermark oder sonstwohin ziehen.

Und: Der Job sollte auch einer sein, von dem man leben kann – also kein 1.000,- Euro-Job....

Also, sehr geehrter Herr Leitl – wir warten auf Ihre Jobangebote! Es dürfte laut Ihrer Aussage ja kein Problem für die Betroffene sein, einen Job zu finden!
(Im Raum Wien oder im umgebenden NÖ, Bez. Gänserndorf....)


Bin schon gespannt auf die Antwort! Daumen hoch

http://derstandard.at/2000020568369/WKO-...ine-Arbeit
Man kann auch ohne Hund leben, es lohnt sich nur nicht.
Antworten
#2
Ohne Arbeit keine Erfahrung, ohne Erfahrung keine Arbeit, ich kenne das, ich habe dasselbe Problem.
Der L. kann ja großartig reden, denn selbst arbeiten hat er nie müssen, und chauffiert wird er sicher auch, ob er es selbst zahlt alles, ist fraglich, maximal einen kleinen Selbstbehalt, man will ja nicht, das es heißt, das es gratis ist.
Veni, Vidi, Vodka
Antworten
#3
Mich ärgert es immer wieder, welch unqualifizierte, lebensfremde Meldungen dieser Mann immer wieder von sich gibt....

Der hat in seinem Elfenbeinturm offensichtlich NIE Kontakt zu normalen Leuten, sonst würde er nicht solchen Blödsinn verzapfen.
Und sowas ist Chef der Wirtschaftskammer.... Ärgern Ärgern
Man kann auch ohne Hund leben, es lohnt sich nur nicht.
Antworten
#4
Zitat:Bin schon gespannt auf die Antwort!

Da wirst aber sehr lange gespannt sein dürfen; du wirst nämlich keine (ehrliche) Antwort bekommen!
WENN da überhaupt eine Antwort eintrudelt, dann irgend soein (nichtssagender) vorgefertigter Text der von der Sekretärin ergänzt und abgeschickt wird!

Zitat:Quelle:http://www.krone.at/Oesterreich/Leitl_Wer_will._findet_Job_-_Arbeit_waere_da-Anreize_zu_gering-Story-466783
376.522 Menschen waren Ende Juli in Österreich ohne Job - doch das müsste laut Wirtschaftskammer- Chef Christoph Leitl nicht sein. In einem Interview mit dem "Volksblatt" antwortete Leitl am Dienstag auf die Frage, ob jeder, der arbeiten will, eine Arbeit findet: "Ja." Und weiter: "Vielleicht nicht immer vor der Haustüre und nicht immer in seinem Traumberuf: Die Arbeit wäre da."


Zur Mindestsicherung sagte Leitl, dass der Anreiz zu arbeiten gering sei. "Ja, es stört mich, dass man aus der Mindestsicherung plus den Transferzahlungen netto auf ungefähr das Gleiche kommt wie wenn du für 1.700 Euro brutto arbeitest. Der Anreiz zu arbeiten ist niedrig."
Zur Wettbewerbsfähigkeit Österreichs sagte der Wirtschaftskammer- Boss: "Wir müssen was Produktions- und Lohnkosten betrifft raus aus der Komfortzone und rein in die Realität eines weltweiten Wettbewerbs mit hungrigen Asiaten auf der einen Seite und dynamischen Amerikanern auf der anderen Seite."

Das mit "vor der Haustüre und im Traumberuf" gibt's ja ohnehin schon längst nicht mehr! Der Traumtänzer braucht sich doch nur mal ansehen wie viele Pendler tagtäglich irrsinns Anfahrten in Kauf nehmen nur um überhaupt eine Arbeit zu haben!
Was Produktions- und Lohnkosten angeht, DA muss er sich an den Finanzminister wenden! Oder ist dem Herrn Präsidenten der Wirtschaftskammer schon entfallen dass wir extrem hohe Lohnnebenkosten haben!!!! DA liegt der Hund begraben; und NICHT bei den mickrigen Löhnen der Arbeiter selber!
Sein Vergleich mit den "hungrigen Asiaten und dynamischen Amerikanern" lässt ja tief blicken!
"Hungrige Asiaten": Da muss man sich mal ansehen wie's 1.) um die Überbevölkerung bestellt ist und 2.)wie die Relation Verdienst<-->Lebenshaltungskosten aussieht! "Herrn Leitl" hat anscheinend noch niemand gesagt dass neben Afrikanern auch immer stärker Asiaten auf unseren Arbeitsmarkt drängen WEIL SIE EBEN IN IHRER HEIMAT KEINE ARBEIT KRIEGEN!!! Und DIESE Arbeitskräfte arbeiten für ein Butterbrot (weil's immer noch mehr ist als bei ihnen zu Hause). Hat der gute Mann etwa noch nicht behirnt dass die ganzen abgewanderten Produktionsbetriebe nur deshalb dort hin gegangen sind weil eben die LÖhne keinerlei "hohe Nebenkosten" mit sich bringen? Von einem Sozialstandard wie bei uns gar nicht zu reden!
"Dynamische Amerikaner": Dass ihm deren System zusagen würde glaub ich gleich! Der "normale amerikanische Arbeiter" kann nämlich auch nicht von EINEM Job leben; da müssens schon mind zwei/drei Jobs sein damit der "dynamische Amerikaner" sein Auslangen findet!

Der Mann lebt (leider) in einer eigenen/abgekapselten Welt wo ihn die alltägliche Realität von Otto-Normalo nicht einmal streift!
Antworten
#5
"Der Mann lebt (leider) in einer eigenen/abgekapselten Welt wo ihn die alltägliche Realität von Otto-Normalo nicht einmal streift!"

Ja, aber dann soll er doch bitte schön endlich sein unsägliches M**l halten (Entschuldigung!)


Aber mich macht dieser Blödhammel wirklich rasend!

Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich mit ihm vor ein paar Jahren via Krone einen Leserbrief-Wechsel hatte, nachdem er in der Sonntagsausgabe in einem Interview gemeint hatte, dass den Unternehmern IN EIN PAAR JAHREN die Fachkräfte ausgehen würden.....


Worauf ich ihn dann gefragt hab, was denn die werten Unternehmer davon abhält, sich diese JETZT (damals) auszubilden?!


Da hat er auch schon so nebuloses Zeug gebrabbelt, von wegen, die Arbeitnehmer (die Jugend) sei halt so unflexibel - wenn es in Tirol Lehrstellen gäbe, dann müssten halt die aus Ostösterreich sich auch dorthin bewegen. Ärgern 


Kllar, wir machen es wie die Amerikaner, wo die Leutln alle paar Jahre samt Kind und Maus in einen anderen Staat ziehen nur wegen des Jobs....und alles hinter sich lassen, ein möglicherweise gebautes eigenes Haus, das gesamte soziale Umfeld und und und.


Wir arbeiten immer noch, um zu leben, nicht umgekehrt....
Man kann auch ohne Hund leben, es lohnt sich nur nicht.
Antworten
#6
Die "dynamischen" Amerikaner sollen lt. Dr. Leitl unser Vorbild sein.

In den USA ist jeder, dessen Arbeitslosenversicherung nach 26 Monaten ausläuft, berechtigt, am Food Stamp Programm teilzunehmen, an Gratislebensmittelprogramm sozusagen. 46 Millionen von 320 Millionen Bürgern der USA werden derzeit mit diesem Programm vor dem Verhungern bewahrt. Und diese Zahl ist in den letzten Jahren von 17 Millionen auf besagte 46 Millionen DYNAMISCH nach oben gegangen.


Die Zahlen der US Regierung


Herr Dr. Leitl kennt die Zahlen, er kennt auch obigen Link  und trotzdem spricht er von den dynamischen Amerikandern.
Das Leben ist ein Traum, bis der Wecker abgeht
Antworten
#7
(13.08.2015, 12:27)energy007 schrieb: Die "dynamischen" Amerikaner sollen lt. Dr. Leitl unser Vorbild sein.

In den USA ist jeder, dessen Arbeitslosenversicherung nach 26 Monaten ausläuft, berechtigt, am Food Stamp Programm teilzunehmen, an Gratislebensmittelprogramm sozusagen. 46 Millionen von 320 Millionen Bürgern der USA werden derzeit mit diesem Programm vor dem Verhungern bewahrt. Und diese Zahl ist in den letzten Jahren von 17 Millionen auf besagte 46 Millionen DYNAMISCH nach oben gegangen.


Die Zahlen der US Regierung


Herr Dr. Leitl kennt die Zahlen, er kennt auch obigen Link  und trotzdem spricht er von den dynamischen Amerikandern.

Das musst du verstehen!

Das Food Stamp Program zahlt die US-Industrie ja nicht, die ja kaum Steuern zahlt! Zahlen müssen es sowie die Bürger!
Die US Industrie geht ja ziemlich unbelastet aus sozialen Programmen hervor!
VIVERE ET VINCERE
Antworten
#8
(13.08.2015, 12:27)energy007 schrieb: Die "dynamischen" Amerikaner sollen lt. Dr. Leitl unser Vorbild sein.

Wenn ich schon "Wirtschaftskammerpräsident Leit'l" irgendwo lese oder
höre; speziell dann, wenn es im Zusammenhang mit unserer Politik steht.
Weißt, was ich dann krieg ?
Weißt wirklich was ich dann krieg ?
Soll ich Uns wirklich sagen, was ich dann echt krieg ?
Wollen wir wirklich wissen, was ich dann krieg ?

Ja?
Na dann paßt's auf.........
................ I woars ned... Wieso kann man seine Festplatte nicht gegen Viren impfen lassen ? I woars ned...
Antworten
#9
....
Weil dann krieg ich nämlich


das:[Bild: Zorn.jpg]    das auch:[Bild: Wut.jpg] und das sowieso: [Bild: sonHals.jpg]
................ I woars ned... Wieso kann man seine Festplatte nicht gegen Viren impfen lassen ? I woars ned...
Antworten
#10
hmmm

Seine Aussage, Österreich sei abgesandelt, hab ich bereits wiederholt in Schreiben an meine vorgesetzte Dienstbehörde zitiert.

Und dort hat sich darüber noch nie jemand beschwert.

Lachen Lachen Lachen
Antworten


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste